Gemeinsam mit Medico International laden wir euch zur Vorführung des Dokumentarfilms „Tomorrow – The Journey of Maysoon Majidi“ unter der Regie von Vincenzo Caricari und Barbara Di Fabio ein, gefolgt von einem Gespräch mit der Protagonistin des Films.
Mit Maysoon Majidi sprechen wir über die politische Verfolgung im Iran, Perspektiven des kurdischen Widerstands sowie die Kriminalisierung von Geflüchteten in Europa – und darüber, wie diese Erfahrungen miteinander verbunden sind.
Wann: 18. Juli, 20:00 Uhr
Wo: Aquarium, Skalitzer Str. 6, 10999 Berlin
Die Veranstaltung findet auf Englisch statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Die Geschichte
Maysoon Majidi – Filmregisseurin, Journalistin und Menschenrechtsaktivistin – wurde im Dezember 2023 in Italien wegen des Vorwurfs des „Schmuggels“ festgenommen, als sie auf dem Weg war, Asyl zu suchen.
Die aus dem Iran stammende Kurdin verließ das Land 2019, nachdem sie wegen ihres Aktivismus verfolgt worden war. Sie floh zunächst in die irakische Kurdistan-Region, doch nachdem ihr die Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnis verweigert wurde und sie Angst hatte, in den Iran zurückgeschickt zu werden, war sie gezwungen, ihre Reise fortzusetzen. Anschließend reiste sie in die Türkei mit dem Ziel, auf dem Seeweg nach Italien zu gelangen.
Fünf Tage nach ihrer Abreise erreichte sie Italien mit einem Boot, auf dem sich 77 weitere Menschen befanden. Dort wurde sie gemeinsam mit dem „Kapitän“ festgenommen, unter dem Vorwurf, die irreguläre Einreise anderer Personen ermöglicht zu haben. Sie wurde im Gefängnis von Castrovillari im Süden Italiens inhaftiert, wo sie einen Hungerstreik begann und innerhalb von zwei Monaten 15 kg verlor.
Zwei Passagiere beschuldigten sie, eine Mithelferin des Kapitäns des Bootes gewesen zu sein. Grundlage dieser Anschuldigungen war die Behauptung, sie habe während der Reise Essen und Wasser verteilt. Die Verteidigung konnte später die beiden Zeugen ausfindig machen, die erklärten, dass Maysoon lediglich eine Passagierin gewesen sei.
Sie erklärten, dass sie die Fragen während ihrer Aussage missverstanden hatten, weil die Übersetzung in einer anderen Sprache erfolgt war. Als der Prozess stattfand, wurden diese Zeugen vom Gericht jedoch nicht aufgefordert, auszusagen, obwohl ihre Kontaktdaten von der Verteidigung mitgeteilt worden waren.
In der darauffolgenden Anhörung meldeten sich vier Passagiere freiwillig als Zeugen sowie der Kapitän selbst – der erklärt hatte, dass er der einzige Kapitän gewesen sei. Schließlich wurde Maysoon bis zur Verkündung des Urteils unter Hausarrest gestellt.
Am 5. Februar 2025 wurde Maysoon von allen Anklagepunkten freigesprochen und erlangte endlich ihre Freiheit zurück.
Im Juli 2025 legte die Staatsanwaltschaft jedoch Berufung gegen die Entscheidung ein. Nun wurde ein weiterer Gerichtstermin für den 15. Februar 2027 angesetzt.
Maysoons Geschichte ist kein Einzelfall. Im Rahmen der europäischen Politik zur Bekämpfung von Fluchthilfe werden tausende Schutzsuchende strafrechtlich verfolgt und inhaftiert.