Freiheit für Garan!

Noch ein Kind, floh er aus dem Südsudan und Sudan und wurde mit vorgehaltener Waffe gezwungen, das Boot zu steuern – jetzt droht ihm in der EU eine lebenslange Haftstrafe. Garans Geschichte zeigt auf, wie die Realität an Bord in sogenannten „Schmuggel“-Prozessen systematisch ignoriert wird.

Garan möchte seine Geschichte mit euch teilen:

„Mein Name ist Garan David Garan, und ich komme aus dem Südsudan. Ich habe mein Land verlassen wegen des Krieges, der sowohl den Südsudan als auch den Sudan verwüstet hat. Ich musste meine alten Eltern zurücklassen, da sie zu alt zum Reisen waren.

Zuerst ging ich nach Ägypten, auf der Suche nach einem besseren und sichereren Leben, aber die Situation verbesserte sich nicht. Ich konnte mir keine Miete oder Essen leisten und schlief manchmal mit leerem Magen auf der Straße. Deshalb entschied ich mich, nach Libyen zu gehen.

In Libyen arbeitete ich als Straßenreiniger und manchmal als Landarbeiter. Eines Tages kamen einige junge Libyer in das sudanesische Viertel, in dem wir lebten, und sagten, sie hätten Arbeit für uns. Wir gingen mit ihnen, aber anstatt uns zu bezahlen, ließen sie uns nicht mehr gehen und sperrten uns in einen kleinen Raum. Da wurde mir klar, dass wir entführt worden waren.

Einige Tage später brachten sie uns ans Meer. Das Boot war fertig und voller Passagiere, und sie zwangen mich mit vorgehaltener Waffe, es zu steuern, nachdem sie mir ein paar grundlegende Anweisungen beigebracht hatten. Wir segelten, bis wir Griechenland erreichten, wo ich verhaftet wurde.

Ich bin kein Verbrecher. Alles, was mir widerfahren ist, war wegen des Krieges und der schrecklichen Lage in meinem Land – und weil ich der Einzige bin, der sich um meine Eltern kümmern kann. Ich habe das Meer nicht gewählt, aber ich hatte keine Wahl, wenn ich am Leben bleiben und die Passagiere am Leben erhalten wollte.“

Garan hat nicht nur Entführung und Zwangsarbeit überlebt – er wird nun für genau die Taten strafrechtlich verfolgt, zu denen er gezwungen wurde.

Hinzu kommt, dass er als Erwachsener angeklagt und festgehalten wird, obwohl er minderjährig ist.

In Libyen sind Migrant*innen mit Inhaftierung, Folter und Erpressung konfrontiert, verschärft durch die Zusammenarbeit Europas mit der libyschen Küstenwache. Garans Fall legt ein System offen, das Überlebende bestraft, während die wahren Täter gestärkt werden.

Der jugendliche Junge steht am 1. September in Chania, Kreta, gemeinsam mit mindestens 13 weiteren jungen Sudanesen vor Gericht.

Dank eurer Unterstützung können wir einen Anwalt für Garan und mindestens 5 weitere beauftragen, um sie vor Gericht zu vertreten.

Diese Kriminalisierung ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit – sie muss aufhören!

Freiheit für Garan! Freiheit für alle!